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Online Livestream: German Gedenken, revisited – oder: Das Ende der Erinnerungspolitik

Februar 4 @ 19:00 - 21:00

Die Veranstaltung wird live auf dem YouTube-Account des AStA Bonn gestreamt.
Link: https://youtu.be/UhBh6xZJAQc
Es wird die Möglichkeit geben Fragen zu stellen oder Anmerkungen zu äußern. Hierfür nutzt ihr entweder den Live-Chat bei Youtube, schreibt uns eine facebook-Nachricht an unsere Referatsseite oder eine Mail an unsere Mailadresse.
Unsere Mailadresse lautet: polbil@asta.uni-bonn.de
Ankündigungstext:
1985 prägte Richard von Weizsäcker die Formel vom 8. Mai 1945 als dem Tag der Befreiung. Damit begann sich das, was heute Gedenkkultur heißt, als Staatsräson und als Identitätsfaktor im postnazistischen Deutschland zu etablieren: Es war seit der Kapitulation nicht mehr möglich gewesen, trotz Auschwitz guten Gewissens deutsch zu sein – nun lernte die Nation, es wegen Auschwitz wieder zu werden.
Die Histotainment-Shows eines Guido Knopp brachten Vernichtungskrieg und Todeslager in die Wohnstuben und ermöglichten den Nachkommen der Täter eine folgenlose Identifikation mit den Opfern; Kanzler Schröder erklärte den Widerstand gegen Neonazis zum Gebot des Anstands; und sein Außenminister Fischer legitimierte den Krieg gegen Jugoslawien mit dem kategorischen Imperativ, dass Auschwitz nie wieder geschehen dürfe. Noch vor wenigen Jahren schien es, als wäre die Beschwörung der Verbrechen von damals das probateste Mittel, die Deutschen von heute als ideologisches Kollektiv zu konstituieren – nämlich als das einig Volk der Geläuterten.
Doch die Vergangenheitsbewältigungs-Weltmeister sind müde geworden. Während Sendungen über den Kniefall von Warschau in den Spartenkanälen versauern, werden Reparationsforderungen aus Polen brüsk zurückgewiesen; Griechenland bekommt statt Entschädigungszahlungen die ganze Härte der deutschen Austeritätspolitik zu spüren; und längst verstummte Stimmen, die – fast wortgleich mit Martin Walser – eine »Dauerpräsentation unserer Schande« beklagen, werden lauter und finden Gehör. Der Gedenkkonsens der rot-grünen Ära ist zerbrochen – in seinem Ende spiegelt sich die Krise der postnazistischen, deutschen Identität seit dem Flüchtlingsherbst 2015.
Jan Singer zeichnet die Metamorphosen des »German Gedenkens« in den vergangenen Jahrzehnten nach und versucht, dessen Erscheinungsformen aus der jeweiligen historischen Konstellation zu erläutern. Bei allen Unterschieden macht er eine Gemeinsamkeit aus: Wenn Deutsche gedenken, geht es ihnen immer um sich selbst.

 

Details

Datum:
Februar 4
Zeit:
19:00 - 21:00
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